Ein nächtlicher Spaziergang, auf dem Rad irgendwohin oder zurück und dann kommt ein Leuchten bergab linkerhand ganz plötzlich. Skurrile Geräuschkulissen, die manchmal fast erschrecken kann, zumindest aus dem momentanen Gedanken lösen und einen mit der Frage konfrontieren, ob ein Verweilen gerad sinnvoll erscheint.

Die Werkleitz Gesellschaft, eine Plattform für professionelle und Nachwuchskünstler mit dem Fokus auf Medienkunst und Filmkultur, ist Initiatorin des beschriebenen Irritationsmomentes. VIDEORAMA ist ein Schaufenster, das durch sein leuchtendes Bewegtbild mit hinzugehöriger Soundkulisse, allnächtlich einen Einblick in aktuelle Videoprojekte gewährt, der sich tagsüber an dieser Stelle kaum vermuten lässt. Angebracht ist die Projektionsfläche an der Hauswand des Schleifweges 6. Das Backsteingebäude wird zum einen Teil von der Burg Giebichenstein Kunsthochschule genutzt und beherbergt zum anderen den Hauptsitz der Werkleitz Gesellschaft.
Das VIDEORAMA zeigt in regelmäßigen Abständen wechselnd zeitgenössische Videokunst.

Bei jedem erneuten Weg an der Videoinstallation vorbei, stelle ich mir die Frage, ob ich gerade wohl die Zeit habe, mir ein Video von 11 Minuten Länge anzuschauen. Leider muss ich gestehen, dass meine Wahl zu oft doch auf das Weitergehen fällt, da es mich schließlich an der abschüssigen Straße bergab oder bergauf zieht. Über das kurze Verweilen und Schauen, woher das nächtliche Leuchten und die Geräusche kommen, schafft es also meine Aufmerksamkeit oft nicht hinweg. Als ich zum ersten Mal abends an der Videoinstallation vorbei fahre, erschrecke ich regelrecht über das plötzliche Flackern und die undefinierten Geräusche! Die Soundkulisse ist bisweilen oft ähnlich undefiniert geblieben, doch mein Erschrecken hat sich inzwischen in ein wohlwollendes Wahrnehmen der Installation als städtischen Bestandteil verwandelt. Werkleitz bezeichnet das Projekt als „Schaufenster in die Stadt“. Diese Bezeichnung scheint auch meine Wahrnehmung gut zu beschreiben. Denn auch meine Reaktion, mich oft nicht für ein Verweilen entscheiden zu können, spiegelt in gewissem Maß auch eine Unaufmerksamkeit wieder, mit der wir bisweilen unser städtisches Umfeld nicht unter einem anderen, verweilenden Blick betrachten können als unter jenem des „Unterwegs-seins“.

Eigentlich scheinen doch Zeitpunkt, Ort und Installation des Schaufensters plausibel. Würde das VIDEORAMA seine Filme auch bei Tag an die Hauswand werfen, wäre der besondere Reiz des unverhofften Leuchtens wohl vergeben. Und auch die Situation des Alltäglichen bei Tag würde die Projekte noch stärker unter der Flüchtigkeit des vorbei Eilens leiden lassen. Da erscheint die Dunkelheit doch besondere Konditionen zu haben, die einen nicht nur für den Moment physisch sondern auch geistig im städtischen Schaufenster verweilen lassen.

Posted by:Louisa Engel

Louisa Engel studiert Bildende Kunst, Ethik und Schulpädagogik in Halle an der Saale. Sie mag das Zeichnen kurzer Striche sowie die Langsamkeit der Dinge.