Auf dem Kunstmarkt wechseln tagtäglich Unsummen die Besitzer. Kunst ist nicht bloß Zweck an sich selbst. Vielmehr verkommt sie zum bloßen Mittel zum Zweck: dem schnellen Geld. 

Sie gilt als schick, als Prestigeobjekt und Aushängeschild, als Kapitalanlage. Wird Kunst dadurch nicht ihrer Wurzeln beraubt? Kein Gedanke gilt dem Schaffensprozess. Von Leidenschaft keine Spur. Wo ist sie?So oder ähnlich lässt sich eine gängige Behauptung einer bestimmten Kritikerschaft des Kunstmarktes formulieren. Doch handelt es sich hierbei um eine Blickweise, die in dieser extremen Darstellung so nicht stehen gelassen werden kann.

Jede*r Kunststudierende kennt die Hoffnung, einmal von der eigenen Kunst finanziell leben zu können. Doch um diese Unabhängigkeit zu erlangen, bedarf es auch bestimmter Netzwerke und Räume für Personen, bei denen die Kunst eine bestimmte Wertschätzung genießt und die angesichts dessen auch bereit sind, künstlerisches Schaffen finanziell zu honorieren. Diese Räume sind zum einen kulturelle Institutionen, Universitäten und Schulen. Doch reichen diese öffentlichen Einrichtungen nicht aus, um die finanzielle Vergütung von Kunstschaffenden zu genüge abzudecken, zumal sich die Vergütung in Institutionen in den meisten Fällen nicht auf die künstlerische Arbeit selbst, sondern auf einen Zweitverdienst bezieht.

Selbstverständlich ist die Wertschätzung eines Werkes durch einen Financier in jedem Fall subjektiv und immer von dem Glück geprägt, in der richtigen Zeit am richtigen Ort das Richtige auszustellen. Doch ist dies ein Prinzip, das seit dem ersten Kunsthandel besteht.

Nicht zu rechtfertigen ist trotzdem die Investition in Kunst als reine Geldanlage. Davon sind aber nur wenige, sehr hochpreisige Werke betroffen, die einen Buchteil des Kunstmarktes ausmachen und dennoch in der medialen Darstellung als Projektionsfläche für jeglichen Kunsthandel dienen.

Posted by:TXT & IMG Multiple

Carolin Breme, Louisa Engel, Carlo Maximilian Engeländer, Lea Köhler, Marcus Pape und Laura Stach schreiben in multipler und kollektiver Autor*innenschaft unter dem Pseudonym «TXT & IMG Multiple».