Ortswechsel. Gefühlswechsel. Farbwechsel. Sie wechselt die Straßenseite. Eilig. Achtsam. Dennoch schräg. Nicht gerade. Risiko. Autos und Fahrräder kreuzen, rasen chaotisch. Zeit? Ein sehr kostbares Gut. Sie eilt weiter.

Eine Kreuzung. Eine Ampel. Rot. Sie bleibt stehen. Autos rasen an ihr vorbei. Warten. Nervöses auf der Stelle treten. Dann für einen Moment kompletter Stillstand. Ein Blick auf die Uhr. Grün. Sie geht weiter.

Die linearen Bewegungen, deren ausscherenden Sprünge nach links und rechts und schließlich auch diese Punkte des Wartens durchziehen ihren Alltag. Jedoch ist der Wartepunkt wirklich nur punktuell. Viel lieber hastet sie, um ihren terminlichen Vorhaben gerecht zu werden, zur nächsten Verabredung, um dort schließlich, mit nervösem Auf-der-Stelle-Treten, Herrn F. einzugestehen, dass sie eigentlich momentan zeitlich sehr ausgebucht sei und daher leider in 10 Minuten, wenn sie dann wieder unterwegs wäre, den Gedanken, den beide momentan teilten, nicht mehr weiter denken werde.

Es gibt nur einen bestimmten Anlass in ihrem Leben, in dem sie die aufgeschobenen Gedanken ihrer Verabredungen wieder aus ihrer terminlichen Verbannung zieht. Jeden Morgen, sechs Tage in der Woche, steht sie um 5.15 Uhr auf, um eine halbe Stunde 300 m im Hallenbad zu schwimmen. Das sind sechs Bahnen. Diese schwimmt sie sehr langsam, als ob sie eine Last durch das Wasser ziehen müsste.

Posted by:TXT & IMG Multiple

Carolin Breme, Louisa Engel, Carlo Maximilian Engeländer, Lea Köhler, Marcus Pape und Laura Stach schreiben in multipler und kollektiver Autor*innenschaft unter dem Pseudonym «TXT & IMG Multiple».